Archiv für September 2011

neuer Blog

Liebe alle,

das Thema wird nun von einem neuen Blog aufgegriffen, auf dem die Informationen weiterhin aktuell gehalten werden:

www.zwangsexmatrikuliert.de

Einfach anklicken

Petition bereits über 500x unterzeichnet

Hier die 1000 knacken!

unter Presseberichte findet ihr weiterhin die aktuelle Berichterstattung zum Thema

Petition gegen Zwangsexmatrikulationen gestartet!

unter
http://www.openpetition.de/petition/online/zwangsexmatrikulationen-nein-danke-studieren-ja-bitte
oder alternativ hier klicken

werden ab sofort Unterschriften gegen die Zwangsexmatrikulationen gesammelt. Bitte verbreiten.

Union kritisiert demokratische Grundsätze, „mit Gleichgesinnten in muffigen Gremien“

In der gestrigen Pressemitteilung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erläuterte die Fraktion ihre Meinung zu Zwangsexmatrikulationen (Zwangsexmatrikulationen sind konsequent). Da der Blog die Aufgabe hat zu informieren, wollte ich angesichts dieser platten Argumentation der Unionsfraktion eine kurze Einführung in die Hochschulpolitik bieten:

Sehr geehrter Herr Rupprecht,

gestern äußerten Sie sich zu den Zwangsexmatrikulationen in Köln. Ich würde gern einige Zitate entkräften und Ihnen ein paar kleine Denksportaufgaben bieten:

„Studieren zu dürfen, ist ein Privileg auf Zeit. Mindestens 7.000 Euro kostet ein Studienplatz den Steuerzahler pro Jahr. […]“


Studieren zu dürfen ist momentan ein Privileg – richtig. Dass die Studienzeit proportional zu den Kosten steht ist jedoch schlicht falsch. Ein Studierender, der nicht in die Universität geht, blockiert keinen Raum – ein Studierender im 10. Semester blockiert auch keine Erstsemester. Das steht übrigens in der Kapazitätsverordnung, von der Sie vielleicht gehört haben.

Bildlich erklärt:
Zwei Menschen kaufen sich 2 Kuchen. Danach gehen die beiden nach Hause und beginnen zu essen. Eine der beiden Personen benötigt doppelt so viel Zeit, bis der Kuchen gegessen ist.
Kostet der Kuchen von der zweiten Person jetzt doppelt soviel? Ich glaube nicht.

Gesetzt dem Fall Sie meinen ihre Zitate wirklich ernst, möchte ich mich nun 2x selber zitieren:
„Wenn Diplomstudierende dazu gezwungen werden, kurz vor der Diplomprüfung im 3. Semester Bachelor weiter zu studieren, kostet das Steuerzahlende pro exmatrikuliertem Studierenden zehntausende Euro.“

„Wenn ein Studienplatz 7000 Euro pro Jahr kostet und die Studierenden exmatrikuliert werden, ALGII beantragen kostet diese Exmatrikulation mindestens 5000€ pro Jahr, da ALGII mindestens 12.000€ pro Person und Jahr kostet.“, die armen Steuerzahlerinnen – die Sie als Volkswirt doch bestimmt nicht unglücklich machen wollen.


„Hinzu kommen Kosten für BAföG, Studi-Ticket und Vergünstigungen bei Banken, Versicherungen oder kulturellen Einrichtungen.“


Ich weiß nicht, inwiefern Sie da als bildungspolitischer Sprecher einer Bundestagsfraktion informiert sind, aber: BAföG bekommen Langzeitstudierende nicht. Studi-Tickets müssen bezahlt werden und die gibt es auch in Bachelorstudiengängen. Banken verdienen Geld mit Studierenden – wenn es nach Ihnen ginge sogar noch mehr. Dass Studierende Versicherungen arm machen würden, würde mich auch wundern – schließlich gab es ja grad wieder eine Erhöhung der Beiträge. Die Beitragserhöhung war übrigens größer als die so hochgelobte BAföG-Erhöhung.
Kulturelle Einrichtungen profitieren übrigens auch von Studierenden, das Problem ist da eher, dass die Regierung (Achso, das sind SIE) stetig Förderungen kürzt.


„Jeder Student muss sich klarmachen, dass sein Studium auch von Menschen finanziert wird, die selber nicht studieren konnten.“


Deswegen setzen wir uns ja auch gegen soziale Selektion und für lebenslanges Lernen ein. Sie sich lieber für Stipendiensysteme, BAföG-Altersgrenzen, gegen das Teilzeitstudium und die Durchlässigkeit des Hochschulsystems für beruflich qualifizierte im Allgemeinen.


„Wer hingegen einen Studienplatz blockiert, um sich mit Gleichgesinnten in muffigen Gremien treffen oder einfach nur billig Bus fahren zu können, der muss damit rechnen, sein Studienprivileg zu verlieren.“


Ich persönlich sitze in solchen muffigen Gremien. Beispielsweise mit Rita Süßmuth, Gesine Schwan und Johann-Dietrich Wörner – ziemlich muffig. Dass Sie die demokratischen Grundsätze unserer Gesellschaft derart platt infrage stellen, zeugt von einer gewissen Höhenluft in ihren muffigen Gremien. Bessern Sie sich, bitte! Es kann doch nicht sein, dass eine politische Partei politische Partizipation derart abschätzig behandelt. Gesellschaftliches Engagement wird insbesondere zur Aufgabe, wenn man erkennt, dass die hauptberufliche Politik den gesellschaftlichen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Dass dieser Zeitpunkt bereits überschritten ist, haben Sie mit Ihren Aussagen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

verwunderte Grüße
Erik Marquardt